Flurschilder
Kirche Weimar

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Besucherzaehler

Flurnamen

Flurschilder in Weimar

 

Viele Erinnerungen an die Kinderzeit sind ohne die alten Flurbezeichnungen unseres Heimatortes überhaupt nicht denkbar.Flurschild in Weimar Wie soll man den Enkeln kleine Erlebnisse, Geschichten und Episoden aus damaliger Zeit erzählen, wenn man keine Angaben über den Ort des Geschehens machen kann - oder wenn man auf die amtliche Flurbezeichnung zurückgreifen müsste?
Bemühungen einiger "Wimmerscher", die sich im Arbeitskreis "Geschichte und Geschichten" zusammengesetzt haben, zielen nun darauf hinaus, diese alten Bezeichnungen den Bürgern unseres Ortes wieder - oder überhaupt - nahe zu bringen und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Viele dieser teilweise uralten Flurnamen sind sowieso durchBürgermeisterin Regina Heldmann beim Anbringen des Flurschildes Veränderungen und Ereignisse in der Vergangenheit - hier vor allem durch die Verkoppelung - und durch die rege Bautätigkeit der letzten Jahre mit der Ausdehnung vom Ortskern bis in die Feldgemarkung des Ortes nach allen Himmelsrichtungen für immer verschwunden und bestenfalls noch einigen älteren Mitbürgern bekannt.
Einige der
Flurnamen tauchen hier und da noch als Name für  neu angelegte Straßen auf - aber wer weiß schon damit etwas anzufangen?
Viele, man kann sagen die meisten dieser Flurnamen waren ja auch nur in der Mundart unserer Vorfahren bekannt, sind aber durch "Übersetzung" ins hochdeutsche oft sinnentstellend verändert worden. So ist es heute nicht leicht, Sinn und Bezug herzustellen.
Andere wiederum, bei denen sich aus der Bezeichnung die Art des Geländes, seine Nutzung, seine früheren Besitzer usw. ableiten lässt, sind da leichter zu deuten. So kann es bei der Suche nach dem Sinn solcher Beziehungen schon Zweifel und verschiedene Meinungen geben, aber angeregt durch die neuen Schilder am Wegesrand, wird sich vielleicht der eine oder andere ältere "Wimmersche" an die ursprüngliche Bedeutung erinnern.Sigi Pilz beim Anbringen der Flurschilder

Es erscheint uns sehr sinnvoll die alten heute noch bekannten Flurbezeichnungen festzuhalten. Heute weiß man noch wo in Weimar z.B. der Krauthof (Kruthob) ist, Experten schätzen, dass fast jedes Jahr ca. 5 % der alten Flurnamen verloren gehen.Die Zusammenstellung der Flurnamen bezieht sich, wie bereits erwähnt, auf die Flurkarten und Reinkarte Stand 1905, die wiederum so bei der "Verkoppelung" in 1901 - amtlich: Zusammenlegungssache von Weimar-, eingetragen wurden. Weiterhin wurden die Aufstellungen von Hauptlehrer Wilhelm Liebing von 1929 und Herrn Ernst Slepitzka von 1970 einbezogen. Einige Flurbezeichnungen, die aus älteren Unterlagen vor besagter Verkoppelung herrühren, sind verloren gegangen oder fielen der Zusammenlegung zum Opfer.

Heute hat jedes Grundstück seine Parzellen-bzw. Flurstücksnummer, früher dagegen hatte fast jedes Grundstück, war es auch noch so klein - ob Wiese oder Acker -, oder anders gesagt, jeder Eigentümer trachtete danach, dass sein Grundstück einen Namen hatte. Die Bezeichnungen waren früher weitaus detaillierter als heute. Die kleinen Flurstücke wurden förmlich bei der "Verkoppelung" aufgefressen und gingen in den großen Flächen unter. Die ursprünglich schon größere Nachbarfläche oder ihr markanter Name reichte nun zur Bezeichnung aus.Die Flurschilder in Weimar werden aufgestellt
Die alten Namen wurden noch eine zeitlang - bis zur nächsten oder auch übernächsten Generation - gebraucht, dann aber verschwanden sie. Auch wurde nach der "Verkoppelung" gar nicht selten die Nutzungsart geändert, aus Wiese wurde Acker oder umgekehrt. Die Dorfnahmen Fluren wurden von der Dorfvergrößerung im Laufe der Jahrzehnte verschluckt so a.B. Auf der Höhe, In den Hecken, In den Böllhöfen, Im Böllfeld, Am süßen Wege, An der Kuhweide, Im Böllhofe,  Im spitzen Hof, Über dem Schartenbergs Wege u.a.

Die Altdorfbezeichnungen etwa bis 1900 waren wohl eine Mischung von Flur- und Ortsteilnahmen, die von den Bewohnern noch bis zum II. Weltkrieg verwendet wurden, da es ja noch keine Straßen- und Wegbezeichnungen gab, so a.B. Bei der Schule, Am Bach, Der Büschtümpfel, An der Königsfahrt, An der Oberstraße, Hinter der Kirche, Unter der Linde, Am Steg u.a.  

 

Wandertour

Eine schöne Tour durch die wimmersche Flur
Autor: Wilfried Zaun

Neue Schilder auf alten Fluren laden zum Wandern ein

Welche wohl bessere Möglichkeit, unsere heimatlichen Fluren kennen zulernen gibt es, als eine Wanderung entlang der neuen Flurnamenschilder, die vom Arbeitskreis Weimar "Geschichte und Geschichten" zusammen mit dem Amt für Jugend, Senioren und Kultur aufgestellt wurden.
Man muss nicht unbedingt die Bedeutung jedes einzelnen Schildes oder die Herkunft eines Flurnamens erfahren, sondern man muss in erster Linie sehenden Auges durch unsere schöne Heimat wandern.

Beginnend am alten Rathaus in Weimar, vorbei am neuen Rathaus Richtung Siebenborn, dann hinter dem Bauernhof Henkel nach rechts und weiter den geschotterten Feldweg bergan, immer geradeaus Richtung Wilhelmsthal, erreichen wir nach insgesamt 1200 Metern Wegstrecke das erste der neuen Flurnamenschilder am Rande der Kammerbergsiedlung, "Auf der Krämerbreite" Hier beginnt unsere eigentliche Wanderung zu den neuen Flurnamenschildern.
 Wir gehen von hier auf dem mit roten Belag befestigten Feldweg und kommen nach 220 Metern zum nächsten Schild "Auf der Eule". Hier lädt eine Bank zum Verweilen ein und wir schauen beglückt auf unser im Tal liegendes Dörfchen und den Kranz der umliegenden Berge mit dem alles beherrschenden Dörnberg und den Helfensteinen, wegen ihrer eigenartigen Konturen auch der "schlafende Riese" genannt.

Nach kurzer Rast verlassen wir diesen schönen Aussichtspunkt und wandern weiter bis zum geteerten Feldweg. Hier lenken wir unsere Schritte nach rechts in Richtung Wilhelmsthal und erreichen nach etwa 400 Metern "Die Sauäcker" und nach weiteren 300 Metern auf dem selben Weg das Schild "Die Schipperlingen". Auch hier lädt eine Bank zum Rasten ein, wir wandern aber weiter bis zum nächsten Schild "Judenwinkel", direkt an der Waldspitze.

Nun geht es die etwa 600 Meter zurück zum Schild "Die Schipperlingen". Von hier aus führt uns ein Weg nach rechts bis zur nächsten Waldecke, auf dem wir nach links gehend die ehemalige Müllkippe exreichen. Nun wieder nach rechts in Richtung Fürstenwald gehend kommen wir bald zu den "Hausäckern", eine mit kargen Kalksteinböden durchsetzte Hochfläche. Rechts von uns erstreckt sich der Tiergarten, ein zur Gemeinde Calden gehörendes Waldgebiet, in dem sich gegen Ende des siebenjährigen Krieges, am 24 Juni 1762 in der Schlacht von Wilhelmsthal ein Teil der preußischen Truppen und ihrer Verbündeten den Franzosen gegenüberstanden.
Wir wandern weiter in Richtung Fürstenwald, dann links bergab vorbei am Vereinsgelände des Schäferhundevereins, vorbei am Schützenhaus eine kurze Strecke auf der Kreisstraße Richtung Weimar bis zur Einfahrt zum neuen Gewerbegebiet und erreichen kurz vor dem Eisenbahnübergang nach ca. 1.8 Kilometern das nächste Schild "Am dörren Siegen".
Von dort aus überqueren wir die Gleise der Bahnlinie Kassel - Volkmarsen. Dahinter gleich nach rechts gehend kommen wir zu dem Schild "Die Lerchenbreite". Hier nutzen wirdie Gelegenheit, auf der dort stehenden Bank eine kurze Rast einzulegen.

Weiter führt uns der Weg zum Schild in der Gemarkung "Am Galgenberg". Daran vorbei in Richtung alte Straße nach Fürstenwald, sind wir, nachdem wir diese erreicht haben, am Schild "Hinter dem Ochsenplatz". Hier konnten die jungen Mädchen wieder aufatmen, die in früheren Zeiten vom Tanzvergnügen oder der Kirmes zu nächtlicher Stunde von Fürstenwald kommend, am Galgenberg angstvoll und ganz leise - oft wegen ihrer klappernden Absätze sogar in Strümpfen - vorbeischlichen und denen allein der Gedanke an einen Galgen Angst und Schrecken einflößte.
 Bis heute ist es allerdings durch nichts belegt, ob sich dort überhaupt jemals ein Galgen als Hinrichtungsstätte befand!

So wandern wir weiter in Richtung Weimar und nach kurzer Wegstrecke kommen wir zum Schild "Am Landwehrgraben" und unweit davon "Die Globusäcker" - beide Schilder sind links an der Straße zu finden.
Beginnend vom alten Rathaus in der Ortsmitte sind wir bis hier etwa 8 Kilometer gewandert.

Wir wandern aber weiter - nun ins Dorf bis an den Waldweg, auf dem wir bis zum Bauernhof Wilke und zum Dorfrand gelangen. Hier geht der Weg in einen Feldweg über, auf dem wir an der nächsten Wegkreuzung nach links gehend das Schild "Am Wiegenklauen" erreichen.
 Vorbei an diesem bis zur nächsten Wegkreuzung, dann nach rechts, kommen wir nach wenigen Schritten auf geteerten Weg zu dem Schild

"An der süßen Heckenwiese" Auch hier lädt eine Bank unter einem alten Birnbaum Zur Rast ein. Wir bleiben auf dem Weg Richtung Wasserwerk, gehen aber an der Wegegabelung den linken Weg und gleich danach wieder nach links und kommen so zum "Süsebusch" Auch hier lädt eine Bank zum Verweilen ein, von der man einen schönen Blick auf den genau davor liegenden hohen Dörnberg hat.
 Nur wenige Meter gegenüber weist uns ein weiteres Schild auf "Die Rohrwiesen" hin. Zurück zur Wegegabelung gehend, nun aber den rechten Weg benutzend, erreichen wir "Die Höllwiesen", ein liebliches Tal, umsäumt von alten Waldbäumen.
Weiter am Waldrand entlang, kommen wir nach ca. 400 Metern zu den "Kümmelwiesen". Von dort wieder ein kurzes Stück zurück und dann nach rechts gehend, erreichen wir nun den "Kirchhof Siersen". Hier befand sich vermutlich die Kirche und der Friedhof des kleinen Dörfchens Siersen (oder Seesen).

Weiter geht unsere Wanderung nun immer geradeaus dem Weg folgend vorbei "An der Linde", "Am Loßbeerfeld" (Bank) und "Im Eschbeet" bis zu der Kreisstraße zum Ahnetal. Wir überqueren diese und gelangen nach rechts gehend zum Flurnamenschild "Am Rutsche Bruck".
 Von hier aus werfen wir noch einen Blick in das schöne Tal der Ahne, bevor wir auf dem selben Weg zurück das Schild "Die Böllwiesen" erreichen.
Im Weitergehen kommen wir nun zu einer Wegkreuzung, auf der wir nach links abbiegend auf einem kleinen Holzsteg die Ahne überqueren - für landwirtschaftliche Fahrzeuge führt an derselben Stelle eine Furt durch das Wasser - und wir sind "In den Gehren", einem Flurstück mit besten Ackerland. Diesem Weg nun bis zum nächsten Querweg folgend und nach rechts in Richtung Bahndamm, vorbei am Schild "Auf dem großen Stein" erreichen wir die Gemarkung "In den Pfühlen" und nach weiteren etwa 250 Metern "Die Blickwiese".

16.5 Kilometer Wegstrecke vom Beginn unserer Wanderung bis hierher, da stellt sich die Frage, nun unseren Rundgang für diesen Tag zu unterbrechen, oder aber - nach einer Rast auf der Bank gegenüber der Blickwiese an der Bahnbrücke - die Wanderung fortzusetzen.

Wir entscheiden uns für das Letztere, gehen unter der Bahnbrücke hindurch rechts den Weg entlang der Bahnlinie und erreichen bald das etwas versteckt im dichten Gebüsch des Bahndammes stehende Schild "Vor dem Lohr".
Nun bis zur nächsten Wegekreuzung, dort nach links zum Steg über die Ahne und gleich wieder nach links, wenige Meter auf geteerten Weg und wir sind an dem Schild "Die Waldschmiede".
Weiter den geteerten Weg, dann nach rechts den Feldweg mit kleiner Steigung bergauf, gelangen wir zum nächsten Schild "Bei dem Zwellbaum" Ein paar Meter weiter dann nach rechts in Richtung Heckershausen, an der nächsten Kreuzung wieder nach rechts auf dem nun wieder geteerten Weg Richtung Ahne und wie stehen am Schild "Die Küssenbornstücke" Von hier auf dem selben Weg wieder zurück bis zum Radweg Weimar - Heckershausen neben der Kreisstraße, sind wir fast am Ende unserer anstrengenden Wanderung beim Schild "In den Durchgängen" angelangt.
Nun noch wenige Meter, über die Kreisstraße hinweg - gegenüber dem Kammerberggrill - und wir sind am Ziel "Unter der Schaftrift". 36 Flurnamenschilder haben wir bei unserer Wanderung passiert und dabei, einschließlich der kurzen Strecke vom letzten Schild bis zum Ausgangspunkt am alten Rathaus ungefähr 20 Kilometer hinter uns gebracht!


 Flurnamen der ersten Reinkarte von Weimar 1905