Leseprobe aus dem Buch: Schule in Weimar

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Lehrer als “Justizvollstrecker”Erst nach dem Krieg wurde die Prügelstrafe abgeschaft. Bas dahin gab´s immer, wenn es dem Lehrer nötig erschien, ein paar hinter drauf.

Nicht nur im Unterricht, auch im Dorf war der Lehrer ein Autorität. So zog der Dorflehrer bis zum Krieg als eine Art “Justizvollstrecker” die Kinder auch für ihre “Untaten” ausserhalb der Schule zur Rechenschaft.
Ein Altweimarer erinnert sich:” Wenn irgendeiner ein Vogelnest ausgeoben hatte, und es wurde dem Lehrer mitgeteilt, dann kriegte er seine Senge. Am ersten Tag nach den Schulferien hielt der Lehrer grundsätzliche eine Strafpredigt; da waren fast alle dabei, jeder hatte doch schon mal was ausgefressen. Wenn etwas vorkam hier im Ort, z.B. wenn ältere Leute nicht gegrüßt wurden, dann wurde das dem Lehrer erzählt, und der hielt die Strafpredigt. Und wenn es nach seinem Ermessen erforderlich schien, dann wurde man über die Bank gelegt, und es gab ein paar hinten drauf.”
Die Fluktuation der Lehrkräfte war bis in die ersten Nachkriegsjahre gering. Wer an eine Schule kam, blieb dort meist über viele Jahre, wenn nicht sein ganzes Arbeitsleben. Das brachte zwar Kontinuität, hatte aber den Nachteil, daß ein Lehrer ganze Schülergenerationen im Dorf prägte. Ein Rentner erinnert sich...


Die Bibel war das Lesebuch

Von den Anfängen der Schule in Weimar

Über die allerersten Anfänge der Schule in Weimar ist nicht viel bekannt. Die Kirchenbücher des Pfarramtes und die Schulchronik geben jedoch gewisse Einblicke. Wir wollen hier- beispielhaft und gleichsam im Zeitraffer- fünf Stationen der Schulgeschichte bis zur Zeit des Dritten Reiches skizzieren: ältesten Überlieferungen von 1790 und 1840,
der große Brand von 1901, der Beginn des ersten Weltkrieges 1914, die Wahl des ersten Elternbeirates 1920 und die Gründung einer “Fortbildungsschule” für arbeitslose Jugendliche 1931.

Das älteste Dokument der Weimarer Schulgeschichte stammt aus dem Jahre 1840. Der damalige Lehrer Christian Weitzel gibt darin einen interessanten Zeitungsbericht über die Weimarer Schule Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Dokument wurde im April 1910 beim Abbruch dGeburtsjahrgang 1926 mit Lehrer Deiß während eines Ausflugs.es alten Schulhauses an der Kirche in den Bodendielen gefunden und vom betreffenden Lehrer in die Schulchronik übertragen. Im Original ist es nicht mehr vorhanden. Hier die ältesten Aufzeichnungen in Auszügen:
“Weimar, den 22. August 1840. Das laufende Jahr 1840 war für den Unterzeichneten darum von großer Wichtigkeit, weil ich unterm 26. Februar als Schullehrer nach Weimar bestellt und den 22. März mit meiner Familie hierher zog. Das innere des Schulhauses bedarf einer bedeutenden Reparatur und Ausbesserung. Der Ortsvorstand zeigte sich auch ziemlich geneigt, die vorerst notwendigen Bauten in demselben im Laufe des Jahres vorzunehmen. So wurde zuerste der wüste Raum am kleinen Gärtchen mit einer Mauer und Staketten umzogen, eine neue Gartenthür gemacht, die Hausthür, die kleine Stube, der Gang, die obersten zwei Stuben nebst den daran liegenden zwei neuen Zimmern getäfelt...

Geburtsjahrgang 1926 mit Lehrer Deiß während eines Ausflugs.


Not und Mangel- und neue Ideale

Die Nachkriegszeit

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches konnten und mußten sich die Menschen neu orientieren. Vielerorts herrschte die blanke Not. Unter Aufsicht und Anleitung der amerikanischen Besatzungsmacht galt es, demokratische Verhältnisse aufzubauen. Für die Schule bedeutete dies: neue Lehrinhalte, wieder mehr Eigenverantwortung und ein humanistisch geprägter Erziehungsstil.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kam auch das Ende der nationalsozialistischen Diktatur. Eine neue Zeit war herangerückt. Alle wesentlichen Entscheidungen wurden von der amerikanischen Militärregierung getroffen. Sie ließ ab Sommer 1945 in Weimar wie in ganz Hessen die Schulen für ein halbes Jahr geschlossen.
Erst am 1. Oktober 1945 wurden die Volksschulen wieder geöffnet. Die erste Eintragung in der Weimarer Schulchronik nach dem Krieg ist eine Abkehr von der nationasozialistischen Ideologie und ein Bekenntnis zum Neubeginn: “Sechs Monate nach dem Zusammenbruch entstand aus den geistigen Trümmerfeldern die neue, demokratische Schule. Nachdem durch den Wahnsinn der nationalistischer Politik und die Folgen eines sechsjährigen unheilvollen Krieges der geistige Niedergang unseres Volkes noch fühlbarer und folgenschwerer wurde als die Zerstörung der Wohn- und Produkionsstätten, mußte auf dem Gebiet der Schulerziehung, der Jugendpflege und der Erwachsenenbildung gleichfalls grundlegende Änderungen der Anschauung unseres Volkes erkämpft werden.
So waren die Bewohner...

Ende der Leseprobe


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